Max & seine Untertanen
Max & seine Untertanen

Von Berlin nach Ellinghausen, zwei Großstädter auf dem Lande.

Warum Ellinghausen?

Zwei Großstädter, das bin ich, Bernd Gollin und meine Frau Peggy.
Ich wurde 1951 in Berlin geboren und meine Frau Peggy kommt aus Gelnhausen in Hessen.
Wir lernten uns 1984 auf einer Geburtstagsfeier in Berlin kennen und ich kam schnell zu der Überzeugung: “ Die oder Keine! “ . Wir zogen  schon bald zusammen und wohnten in Steglitz, nicht weit weg vom Trubel in der Schloßstraße und trotzdem ruhig in einer kleinen Sackgasse. Peggy hat einen Sohn aus erster Ehe und ich zwei Töchter und einen Sohn. Meine Kinder lebten damals bei ihren Müttern und Marcus, Peggys Sohn, lebte bei uns. Das ging alles ganz gut und da ich durch meine Schichtarbeit relativ viel Freizeit hatte konnten wir viel unternehmen und wegfahren. Wir waren oft in Gelnhausen wo damals noch Peggys Mutter und Schwester wohnten und ich fühlte mich dort in der Barbarossastadt sehr wohl.
 

 

Obwohl wir ja beide schon unsere Erfahrungen gemacht hatten, beschlossen wir 1987 Nägel mit Köpfen zu machen und heirateten.  Diesen Schritt habe ich bis heute nicht bereut, würde es immer wieder tun und ich glaube Peggy ist da der gleichen Meinung. Jedenfalls verstehen wir uns heute, 30 Jahre später, immer noch genauso gut und obwohl es wie in jeder Ehe Höhen und Tiefen gab, haben wir nie an Trennung gedacht und lieben uns nach wie vor wie am ersten Tag. Das ist in der heutigen Zeit ja nicht gerade selbstverständlich, wir bekommen das aber ganz gut hin.

 

Ich hatte, wie schon erwähnt viel Freizeit durch die Schichtarbeit. Ich arbeitete bei Früh- und Nachtschicht zwar 7 Tage am Stück aber hatte dazwischen durch Wasch- und Ausgleichstage auch eine ganze Woche frei. Der Junge war im Kindergarten und später in der Schule. Peggy war Pelznäherin und auch den ganzen Tag nicht zu Hause also suchte ich mir ein Hobby und da bot sich der Heimcomputer, der Anfang der 80er gerade in Mode kam, eben an.
Erst ein Sinclair Z81, dann ein Comodore 64, dann ein CPC64, CPC 128 und schließlich der erste PC ein 286er von Schneider. Es gab zwar eine ganze Menge Spiele aber Programme zur Verwaltung der unterschiedlichsten Dinge waren rar und sehr teuer. So habe ich notgedrungen etwas Basic, Turbo Pascal und Assembler gelernt und mir selbst Programme mehr oder weniger gut zusammengebastelt.

 

Was heute das Internet, war damals in viel kleinerem Rahmen BTX. Es sah bescheiden aus und war sehr teuer. Telefonrechnungen um die 1000 DM waren bei mir damals nicht selten aber es machte Spaß und ab und an kam dadurch auch etwas Geld wieder rein.


Chaträume gab es damals auch, man musste aber pro Nachricht zahlen. Das waren je nach Anbieter 0,15 – bis 0,30 DM dazu die Telefongebühren und das BTX selbst also wahrlich kein billiges Hobby. Man lernte aber viele Leute kennen und es gab Treffen bei denen man mehr oder weniger erfreut seine Gesprächspartner aus dem BTX persönlich kennen lernte. Bei einem dieser Treffen lernten wir Klaus und Karin von einer BTX - Agentur aus  Drentwede kennen und verstanden uns auf Anhieb sehr gut. So kam es das wir oft bei ihnen in Ellinghausen zu Besuch waren und nach und nach auch ihre Nachbarschaft und den Hundeverein kennen lernten. Schützenfest, Osterfeuer und andere Feste waren für mich als Berliner eine völlig neue Erfahrung und nüchtern betrachtet, war ich bei weiten nicht immer nüchtern wenn wir von einem Fest kamen. Allerdings kam ich dann auch viel besser mit dem Platt, was hier geredet wurde, klar und verstand das meiste. Selbst reden werde ich es nie, ich bin Berliner und das hört man auch recht deutlich aber stören tut es eigentlich niemanden. 

Bei den Leuten aus Ellinghausen kamen wir wohl ganz gut an und die meisten hinterließen auch bei uns einen positiven Eindruck. Daher griffen wir natürlich schnell zu als in Ellinghausen eine Wohnung frei wurde. Am 01.04.1994 zogen wir in die obere Etage des Grundstücks Ellinghausen 19 ein. Wie man sieht, hatte die Umgebung nicht gerade Großstadtcharakter aber wir fühlten uns wohl und zunächst war die Wohnung ja auch nur als Feriendomizil gedacht.

Wir, dass waren zu dem Zeitpunkt Peggy, ich und unser in Ellinghausen erworbenes neues Familienmitglied Eiko, ein deutscher Schäferhund.
Wir waren so oft es ging in Ellinghausen und wurden allmählich zu anerkannten Einwohnern auf dem Lande. Oft waren wir im Hundeverein, halfen dort bei Veranstaltungen, gingen natürlich zum Schützenfest und wurden schließlich sogar Mitglieder im Schützenverein. Der Mitgliedsantrag erfolgte stilgerecht in der Kneipe bei Mike auf einen Bierdeckel und gab dem Namen „Schützenverein Borwede und Umgebung“ völlig neue Dimensionen denn wir wohnten damals ja noch in Berlin.
 

1997 zogen wir schließlich ganz nach Ellinghausen. Ein guter Bekannter aus dem Hundeverein stellte mich in seiner Zimmerei ein, so war auch der Unterhalt gesichert. Meine Arbeit in Berlin lohnte sich nicht mehr so recht. Nach der Einheit änderte sich halt viel und leider nicht nur zum Guten. Die Berlinzulage fiel weg, das waren immerhin 8% des Bruttolohns, die noch dazu steuerfrei waren. Die Nacht - und Feiertagszuschläge wurden voll versteuert, Stadtteile die früher Randbezirke waren lagen nun mitten in der Stadt. Der Verdienst wurde geringer und die Ausgaben größer so das ich trotz geringeren Lohn letztendlich in Niedersachsen das Gleiche zum Leben über hatte. Dazu kam, dass die Wohnung größer war und das dazu gehörende Grundstück auch viel Platz für Garten, Weiden und Hundezwinger bereit stellte. Eigenes Gemüse sollte sein also begab ich mich eines Nachmittags mit Spaten und Karre bewaffnet in den Hof um mir ein Stück Garten abzustecken und umzugraben.

Der spätere, noch unbearbeitete Garten Der spätere Garten noch unkultiviert.

Nachbar Albert stand unten mit Johann, dem Mieter unter mir und fragte mich was ich denn machen wolle. „Einen Gemüsegarten“ sagte ich. „Damit?“ fragte Albert und zeigte auf den Spaten, schüttelte den Kopf und winkte seinen Sohn Fred, der gerade mit dem Trecker vom Pflügen gekommen war, ran. „Wohin und wie groß ?“ fragte Albert, ich zeigte es ihm und

Fred fuhr 3, 4 - mal hin und her und der zukünftige Garten war umgepflügt.„Da oben fährt genau der richtige Mann, den Du jetzt noch brauchst.“ Sagte Albert und zeigte zur Dorfstraße. Dort fuhr Friedrich mit seinem Trecker an dem ein Grubber montiert war. Peggy fuhr ihm schnell hinterher und 2 Minuten später stand er auf dem Hof. Weitere 10 Minuten später war der gepflügte Boden gegrubbert also schön eben, gelockert und zerkrümelt.

 

In nicht einmal einer halben Stunde hatte ich dank meiner tollen Nachbarn meinen Garten im Rohbau fertig und  Feierabend. Das kostete mich nur ein paar Bier, ersparte viel Arbeit und brachte nette Unterhaltung beim Trinken.

 

Der Garten... Der Garten wie er später war.

Der Garten wurde eingezäunt, aufgeteilt und mit Gehwegplatten versehen, damit er auch bei schlechtem Wetter begehbar war. Eine Seite wurde jedes Jahr wechselseitig mit Kartoffeln bepflanzt und auf der anderen Seite kamen Gurken, Salat, Zwiebeln, etc. und im hinteren Teil waren immer Erd- und Brombeeren. Gleichzeitig zäunte ich noch einen Teil der Fläche als Hühnerweide ein und baute den Hühnerstall. Anfangs haben wir uns mit  Nachbar Johann vier Hühner geteilt. Im täglichen Wechsel war Jeder mal mit der Versorgung und Reinigung dran. Selbstverständlich durften dann auch die Eier gesammelt werden. Johann mochte dann aber keine Hühner mehr und mir war das zu klein also habe  ich den großen Hühnerstall gebaut.

Peggy beim schließen des alten Hühnerstalls Peggy am alten Hühnerstall

Von einem Nachbarn holten wir uns befruchtete Eier, die wir einer Henne unter legten, die anfing zu glucken. Eigentlich heißt es, dass beim Schlüpfen die Geschlechter halbe halbe verteilt sind, bei uns schlüpften aus 12 Eiern aber 9 Hähne, 1 Huhn und 2 wurden nichts. So gab es nach einem halben Jahr reichlich Hähnchen zu essen, einen behielten wir allerdings um weitere Küken haben zu können. Das klappte dann in der Folgezeit auch ganz gut.

Nach und nach kamen immer mehr Tiere dazu, teils aus Kauf auf dem Brokumer Markt und teils aus eigener Zucht. So wurde es ein netter kleiner Geflügelhof mit Hühnern, Flugenten, Indischen Laufenten und Wachteln.

Der erste Hahn war leider mit Vorsicht zu genießen, man musste sehr genau aufpassen ob er in der Nähe war. Das Eiersammeln  wurde zum Abenteuer und war ohne Knüppel kaum durchführbar. Ich saß gerne in der Weide und sah dem Geflügel zu aber hinten habe ich nun mal keine Augen und so saß mir der dumme Hahn öfter mal im Rücken und so ein Tier kann sehr unangenehm werden.

Der neue Geflügelstall... Der neue Hühnerstall

Auch für Peggy und den Kindern aus der Nachbarschaft wurde er einfach zu gefährlich denn vor ihnen hatte er gar keinen Respekt. So wurde er eines Tages zum Brathähnchen denn inzwischen hatte ich das Schlachten gelernt und er war der Erste, bei dem mir nicht die Finger zitterten. Schlachten war eigentlich nicht so mein Ding und beim ersten Mal habe ich am ganzen Körper gezittert aber es musste ja sein, die Tiere vermehrten sich recht gut und durch den Verkauf von Eiern, Suppenhühner oder Brathähnchen finanzierte ich die aufwändige Haltung wenigstens zum Teil; der Rest war Hobby. Sie bekamen gutes Körnerfutter, liefen den ganzen Tag frei rum und hatten ein schönes Leben.

Als Ersatz für den alten Hahn, kam “Hähnchen“, ein bei uns geschlüpfter Hahn, der schon als Küken sehr auffällig war.Er lief mir sofort nach, wenn er mich sah, da konnte die Glucke rufen so viel sie wollte denn er wußte sehr genau das es immer etwas für ihn gab, wenn er in meiner Nähe blieb. Er durfte auch als einziger in den  Gemüsegarten wo er so einiges an Regenwürmern, Engerlingen und ähnliches für ihn wohlschmeckendes Getier von mir bekam. Er wurde über neun Jahre alt.  

Sein Tod ging mir ziemlich nahe, obwohl so wohl jeder Mann gerne mal sterben würde. Er fiel neben mir von einer Henne und war tot, so schnell kann es gehen.

 

wird auf der nächsten Seite fortgesetzt...bgollin

Ein Hahn... Hähnchen

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Neu begonnen am 14.06.2016

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Max & seine Untertanen © by Bernd Gollin